Youth Olympics NANJING

Bericht von Tobias Franek:

Seit knapp einer Woche bin ich von den 2. Jugendolympischen Sommerspielen zuhause und möchte meine Eindrücke und meine Erfolge mit euch teilen. Am 11. August ging es für das ganze österreichische Team auf nach Nanjing. Die meisten der Athleten kannten sich schon von der Einkleidung, welche eine Woche davor in Abtenau stattgefunden hatte. Die Reise ins Olympische Dorf dauerte ungefähr 24 Stunden. Wir flogen von Wien über Zürich nach Shanghai, wo uns dann noch eine 6-stündige Busfahrt nach Nanjing erwartete. Ich hatte nicht oft eine so angenehme Reise, weil einfach die Vorfreude derartig groß war, dass die Zeit einfach „fliegend“ verging.

Im Olympischen Dorf

Die Ankunft im Olympischen Dorf war überwältigend. Es war viel pompöser als ich es mir erwartet hätte. Das Dorf zählte 8 knapp 100 Meter hohe Türme umgeben von 10-stöckigen Häusern. Wir waren eines der ersten Teams, das die Zimmer bezog. Anfangs war es noch sehr ruhig, was sich jedoch im Laufe der nächsten 2 Tage änderte.

Wettkämpfe

Der internationale Radsportverband UCI hatte für die Radsportbewerbe ein ganz neues Teamevent kreiert. Ein Team bestand aus 2 Radsportlern einer Nation. Sie mussten zusammen fünf Bewerbe abdecken: ein 70 km Straßenrennen welches beide bestreiten mussten, einen XCO-Bewerb, einen XCE-Bewerb, ein Staßenzeitfahren und einen BMX-Bewerb.

Ich durfte mit Felix Ritzinger, O-Look Athlet und Österreichs größte Nachwuchshoffnung im MTB-Sport, an den Start gehen. Ich kannte Felix vor dem Flug nach China eigentlich nur von seinen O-Look Blogs und über das Internet. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut und ich konnte mir eigentlich keinen besseren Teamkollegen wünschen.

Tag 1: XCE Bewerb

Der XCE-Bewerb fand auf einer 1,1 km lagen Runde statt. Die ersten 500 Meter auf Asphalt, dann ging es rauf ins Gelände. Durch die Regenfälle der Vortage war der Boden derartig weich, dass man die Bergauf-Passagen zu Fuß bewältigen musste. Der Crosscountry Eliminator war einer meiner Bewerbe. Nach dem 18. Platz in der Qualifikation wollte ich in meinem Achtelfinale alles geben. Ich entschied mich für die äußerste Bahn am Start um in der 1. Kurve die schnellste Linie zu fahren. Ich erwischte in meinem Lauf den besten Start und ging gegen den späteren Sieger in Führung, doch dann in der 1. Kurve wollte ich zu viel, ich wusste, dass ich mindestens als 2. in die Waldpassage gehen. Doch schmutzige Reifen und nasser Asphalt machten mir einen Strich durch die Rechnung. Ich stürzte vor den Augen der ganzen Mannschaft und des ÖOC Präsidenten. Ich sprang sofort wieder auf, doch meine Gegner hatten schon einen schönen Vorsprung. Bis ins Ziel konnte ich auf den 2. und 3. noch Zeit gutmachen, doch der Sturz in der 1. Kurve kostete mir und Felix am 1. Tag wichtige Punkte.

Tag 2: Zeitfahren

Am 2. Tag fand das Straßen Zeitfahren auf einem 3,8 km langen Kurs statt. Felix schien mir in guter Form zu sein und er wollte uns nach meinem Ausrutscher am Vortag wieder in die Medaillenränge bringen. Bei der technischen Abnahme passierte dann etwas Unglaubliches. Der chinesische Volonteer, ließ das Rad von Felix genau auf die Seite der Schaltung fallen, was zur Folge hatte, dass Felix nicht mehr auf den schwersten Gang schalten konnte. Bei der Juniorenübersetzung und dem Zeitfahrkurs war das natürlich ein riesiges Handicap. Felix ließ sich davon nicht unterkriegen und beendete das Zeitfahren mit 4 Sekunden Rückstand auf Platz 5.

Tag 3: BMX

Aufgrund der Regenfälle in den Tagen vor den Spielen war die Strecke noch immer weich, da sie wie sonst nicht üblich nur aus Lehm aufgebaut war. Keine optimalen Bedingungen, aber für jeden gleich. Ich wusste, dass, um die Medaillenchance am Leben zu erhalten, in meiner Spezialdisziplin ein Top 3 Ergebnis notwendig war. Schon im Time Trial merkte ich, dass das ganz schwer werden wird. Ich beendete es auf Platz 4, 30 Hundertstel hinter dem Dritten.

Am Nachmittag ging es dann um alles. Es gab 3 Viertelfinalläufe, 3 Semifinalläufe und ein Finale.

In meinem 1. Viertelfinale konnte ich vom Start weg die Führung übernehmen in der 2. Gerade sprang ich doch zu weit und musste eine Position abgeben. Auch in den 2 weiteren Läufen kam ich über den 2. Platz leider nicht hinaus.

Im Semifinale konnte ich einen der Läufe gewinnen und stieg somit locker ins Finale auf. Meine Beine waren jedoch sehr schwer und ich wusste, dass ich einen meiner besten Starts brauche. Wie das Leben oft so ist, versäumte ich den Start komplett, ging als 5. in die erste Kurve. Ich versuchte noch mit einem High-Low Manöver in der ersten Kurve Plätze gut zu machen und konnte mich kurzzeitig auf Platz 4 verbessern. Durch den Schwungverlust durch das Manöver verlor ich den Platz dann gleich wieder auf der Pro Section. Das bedeutet Platz 5 im Ziel. Der Argentinier der Platz 2 belegte, war bei der WM und auch im Semifinale zweimal hinter mir. Es wäre also sicherlich mehr möglich gewesen.

Tag 4: XCO

Wieder ein Bewerb von Felix. Ich verfolgte den Bewerb aus der „Techzone“. Nach dem Start war Felix gleich auf Platz 4 hinter einem Mexikaner, Kolumbianer und Tschechen. Im Waldstück nach der Techzone verlor Felix den Anschluss an die Spitzengruppe, aufgrund eines kleinen Fehlers in einer Bergauf Passage. Felix kämpfte wirklich sehr hart und fuhr alleine seine Runden. Er konnte die Topgruppe zwar nicht mehr einholen doch verlor er auch keinen Platz mehr und beendete sein XCO Rennen auf Platz 4.

Tag 5: Rennradtraining

An Tag 5 hatte ich mein erstes Training für ein Straßenrennen. Wir fuhren die Runde einmal gemütlich ab, sodass ich zumindest wusste was mich am nächsten Tag auf der Strecke erwartet.

Tag 6: Mein 1. Straßenrennen

Beim Straßenrennen waren 64 Starter von 3 verschieden Sparten am Start. Schon vor dem Rennen war klar, dass ich als BMX-Fahrer eher geringe Chancen auf eine Top 16 Platzierung haben werde und es daher sehr unwahrscheinlich war, dass ich Punkte holen werde. Mein Ziel war es so lange wie nur möglich im Feld zu bleiben und soweit wie möglich zu fahren. Das Rennen ging über 3 Runden zu je 23 Kilometer. Vom Start weg versuchte ich mich im mittleren Feld der Gruppe aufzuhalten um so wenig Energie wie nur möglich zu verschwenden. Es war wirklich eine interessante Erfahrung mit Toprennradathleten ein Rennen zu bestreiten. Es gab von Anfang an sehr viele Angriffe was mir als BMX-Fahrer sehr viel Kraft kostete, doch ich blieb länger als ich dachte im Feld, nämlich 21 Kilometer. Ich flog aus dem Feld als ich eine 90 Grad Kurve schlecht fuhr und den anschließenden Angriff verpasste. Einmal aus dem Windschatten konnte ich nicht mehr ins Feld vordringen. Auf den nächsten 2 Kilometern der ersten Runde verlor ich 1 Minute und ich hatte schon den Gedanken aufzuhören. Durch die Anfeuerungsrufe der Österreicher vor Ort verabschiedete ich meine negativen Gedanken, schüttete mir in der Feedzone einen halben Liter Wasser über um wenigstens kurz eine Abkühlung zu genießen. Die 2. Runde fuhr ich dann nur noch gegen den „Besenwagen“ bei 38 Grad im Schatten und 95 % Luftfeuchtigkeit, alleine auf einer vierspurigen Straße. Auf der 2. Runde verlor ich dann 15 min auf die Spitzengruppe was zur Folge hatte, dass ich nach der 2. Runde gezwungen war mein Rennen auf Platz 57 zu beenden. Felix kämpfte währenddessen mit, dass das Feld die Ausreißergruppe noch einholte, was ihnen dann auch gelang. Nur der südafrikanische Fahrer fuhr alleine mit 10 Sekunden Vorsprung auf Platz eins. Dahinter ging es in einem Massensprint um die letzten Punkte. Felix wurde 14.

9. Platz in der Teamwertung

Felix und Ich belegten somit den 9. Platz in der Teamwertung. Ich glaube wir sind beide nicht wirklich zufrieden. Es steht Platz 9, doch keiner weiß wie knapp wir eigentlich an einer Medaille vorbei gefahren sind. Die Chance war da, doch fehlten uns einfach ein oder zwei Top 3 Plätze.

Tag 8: Teamrelay

Nach dem Teambewerb mit Felix warn noch nicht alle Chancen auf eine Medaille begraben. Es gab noch den Mixed Teambewerb, wo jeweils ein Mädchen und ein Junge, in einer Staffel, zuerst den Eliminatorkurs und dann den Zeitfahrkurs absolvieren musste. Für Österreich gingen (in dieser Reihenfolge) Nadja Heigl, Ich (Tobias Franek), Felix Ritzinger und Melanie Amann an den Start. Nadja fuhr trotz Verletzung an ihrer Hand eine solide Runde am XCE-Kurs und übergab auf Platz 5. Ich verlor auf meiner Runde kaum Zeit. Ich wurde gleich am Start von 2 anderen überholt, hängte mich an deren Hinterrad und übergab Felix als 7. Felix fuhr dann das Loch zum 3. Platz zu und übergab Melanie unserer Schlussfahrerin in der Gruppe um Platz 3. Melanie konnte sich in der Gruppe halten. In der letzten Kurve wollte sie uns dann auf Platz 3 bringen. Sie rutschte jedoch weg und somit wurde auch die zweite Chance auf Edelmetall begraben. Platz 11 im Teamrelay…

Eindrücke und Erfahrungen der YOG

Nach dem letzten Wettkampf hatte ich noch 5 Tage Zeit die ganze Atmosphäre zu genießen. Es war eine tolle Erfahrung. Das viel diskutierte System der Radsportbewerbe habe ich als sehr positiv empfunden. Es wird einmal der ganze Radsport durchgemischt, man lernt Athleten aus allen Radsportdisziplinen kennen und auch die anderen Disziplinen einzuschätzen. Weil wir in der Wettkampfwoche sehr oft miteinander trainiert und gegeneinander gekämpft haben, habe ich einige neue Freunde gefunden. Von Estland über Belgien, den Niederlanden, Südafrika bis nach Argentinien. Es war eine einzigartige Erfahrung die ich nicht missen möchte. Diese Veranstaltung hat mich wirklich motiviert noch mehr zu kämpfen, noch härter zu arbeiten um wirklich in Rio dabei sein zu dürfen.

CRUPI Team Germany 2009-2014